📚 Studienmaterial: Eisenbahnbetriebssicherheit
Dieses Studienmaterial wurde aus einer Kombination von kopiertem Text und einer Vorlesungs-Audio-Transkription zum Thema Eisenbahnbetriebssicherheit erstellt. Es fasst die wesentlichen Informationen zu Einweisungen, Sicherungsmaßnahmen, technischen Systemen und Kommunikationsprotokollen im Gleisbereich zusammen.
1. Rollen und Einweisungen im Gleisbereich 👷♂️
Die korrekte Einweisung und Unterweisung aller Beteiligten ist entscheidend für die Sicherheit im Gleisbereich.
- Sicherungsüberwacher (SÜW)
- ✅ Wird gemäß Richtlinie (Ril.) 132.0118 durch die Betriebszentrale Sicherung (BzS) eingewiesen.
- ✅ Die Einweisung umfasst wichtige Sicherheitsvorgaben.
- Auftragnehmer (AN)
- ✅ Ist verantwortlich, seine eigenen Arbeiter und Nachunternehmer (NU) dokumentiert und fortlaufend zu unterweisen.
- Bauüberwacher (BÜB)
- ✅ Wird vom Bezirksleiter (BezL) oder einem entsprechend qualifizierten Beauftragten rechtzeitig vor Baubeginn eingewiesen.
- ✅ Die Einweisung bezieht sich auf die betrieblichen Verhältnisse und die spezifische Örtlichkeit (gemäß Ril. 809.1000V04).
- Drittfirmen (Auftragnehmer)
- ✅ Müssen vor Beginn der Arbeiten gemäß Ril. 132.0108 durch den BÜB eingewiesen werden.
- ✅ Inhalte der Einweisung: Örtlichkeit, betriebliche Besonderheiten und insbesondere Gefahren aus dem Bahnbetrieb.
- Sicherungsaufsicht (SIA)
- ✅ Weist alle beteiligten Personen in die Sicherungsmaßnahmen ein, die sich aus den Gefahren des Bahnbetriebs ergeben.
- ✅ Diese Einweisung muss im Sicherungsplan, Abschnitt 6, quittiert werden.
2. Arbeiten unter Selbstsicherung 🚶♂️
Arbeiten unter Selbstsicherung sind ein Sonderfall und an strenge Voraussetzungen gebunden.
2.1. Anwendungsbereiche und Umfang
- ✅ Sonderfall für:
- Störungsbeseitigung
- Besichtigungs-, Kontroll- oder Prüftätigkeiten
- ✅ Nur für kurzzeitige Arbeiten geringen Umfangs:
- Müssen in aufrechter Haltung ausgeführt werden können.
- Müssen jederzeit unterbrochen werden können.
- Maximale Räumzeit von 5 Sekunden.
2.2. Wer darf Selbstsicherer sein?
- ✅ Eine Gruppe von maximal 3 Beschäftigten.
- ✅ Besonders unterwiesene, einzeln arbeitende Beschäftigte.
- ✅ Personen, die eine entsprechende Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben.
- ✅ Sicherungsaufsichten.
- ✅ Sicherungsüberwacher.
2.3. Voraussetzungen für Selbstsicherung
- ✅ Grundsätzlich: Örtliche und betriebliche Verhältnisse müssen die Arbeit zulassen.
- ✅ Persönliche Eignung:
- Körperlich und geistig geeignet (Tauglichkeit, bestätigt durch Bahn-Arzt).
- Orts- und Streckenkenntnis ist unerlässlich.
- Gefahren aus dem Bahnbetrieb müssen bekannt sein.
- ✅ Besondere Unterweisung:
- Für einzeln arbeitende Beschäftigte ist eine spezielle Unterweisung erforderlich, die auf besondere Gefahren hinweist.
- Fahrten entgegen der gewöhnlichen Fahrtrichtung müssen immer ausgeschlossen werden.
- ✅ Zustimmung: Die Zustimmung des ausführenden Unternehmers ist erforderlich.
3. Automatische Gleiswarnsysteme (ATWS) 🚨
ATWS sind technische Sicherungssysteme, die vor herannahenden Fahrten warnen.
3.1. Voraussetzungen für den Betrieb eines ATWS
- ✅ Abnahme des Systems: Umfasst Projektierung, Planprüfung, Montage, technische Funktionsabnahme, Funktionsprüfung und eine Wahrnehmbarkeitsprobe.
- ✅ Festlegung des Warnsignals: Es muss im Vorfeld festgelegt werden, mit welchem Rottenwarnsignal das ATWS warnt.
- ✅ Betriebsarten: Unterscheidung in technische Detektion und Handeinschaltung.
- ✅ Maximale Länge: Eine ATWS-Anlage darf maximal 800 Meter lang sein.
- ✅ Bedienerkapazität: Ein ATWS-Bediener darf maximal 3 Anlagen gleichzeitig bedienen.
- ✅ Erforderliche Dokumente: Für den Betrieb eines ATWS sind Projektierung, Abnahme und ein Sicherungsplan zwingend erforderlich.
3.2. Wahrnehmbarkeitsprobe des ATWS
- ✅ Wiederholung: Die Wahrnehmbarkeitsprobe muss arbeitstäglich wiederholt werden.
- ✅ Bedingungen: Die Probe ist unter den ungünstigsten Bedingungen vor Ort durchzuführen (z.B. akustische Bedingungen, Beschäftigte in voller Persönlicher Schutzausrüstung (PSA)).
- ✅ Änderungen: Auch wenn sich Randbedingungen geändert haben, muss diese Probe erneut durchgeführt werden.
4. Zeitdefinitionen und Schutzmaßnahmen im Gleisbereich ⏱️
Präzise Zeitdefinitionen und Schutzmaßnahmen sind grundlegend für die Sicherheit.
4.1. Wichtige Zeitdefinitionen 📚
- Räumzeit (Rz): Die Zeit, die benötigt wird, um den Gleisbereich einschließlich aller Maschinen und Geräte vollständig zu räumen. Diese Zeit wird vom Auftragnehmer festgelegt.
- Sicherheitszuschlag (Sz): Die Zeitspanne, die nach dem Räumen des Gleisbereichs bis zum tatsächlichen Eintreffen der Fahrt verbleibt.
- Sicherheitsfrist (Sf): Die Summe aus Räumzeit und Sicherheitszuschlag (Rz + Sz). Sie dient der Bestimmung der Annäherungsstrecke für Fahrten im Nachbargleis (NG), inklusive der Weitergabe der Rottenwarnsignale. In der Regel beträgt die Sicherheitsfrist 15 Sekunden, mindestens jedoch 10 Sekunden.
- 📊 Berechnung der Annäherungsstrecke: Annäherungsstrecke = (VzG / 3,6) x Sf (VzG = zulässige Geschwindigkeit)
4.2. Rottenwarnsignale
- ✅ Der Schalldruckpegel muss mindestens 3 dB über dem Störlärm liegen.
- ✅ Die Plausibilität ist mit Abschnitt 1 des Sicherungsplans zu prüfen.
4.3. Zweiwegebagger (ZWB) schwenkt über Nachbargleis
- ⚠️ Wenn ein ZWB über ein Nachbargleis schwenken muss, ist eine technische Sperrung des Nachbargleises zwingend erforderlich, da von dem ZWB eine Gefahr für den Bahnbetrieb im Nachbargleis ausgeht.
5. Aufgaben des Sicherungsüberwachers auf der Baustelle 🧐
Der Sicherungsüberwacher (SÜW) hat eine zentrale Rolle bei der Überwachung der Sicherheit.
5.1. Überprüfung des Sicherungspersonals
- ✅ Einhaltung von Pausen- und Ruhezeiten.
- ✅ Befähigung, Qualifikation und Fitness (FIT).
- ✅ Eignung (bestätigt durch Bahn-Arzt).
- ✅ Korrekte Einweisung des Personals.
5.2. Überwachung der Sicherungsmaßnahmen
- ✅ Sicherstellung, dass die Sicherungsmaßnahmen gemäß Sicherungsplan (Abschnitt 2) durchgeführt werden.
- ✅ Prüfung der Verfügbarkeit aller erforderlichen Unterlagen (z.B. Projektierung und Abnahme des ATWS, Zulassung der Fachaufsicht).
- ✅ Einhaltung der DGUV-Vorschriften und der DB-Richtlinien.
6. Besondere Arbeiten im Gleisbereich 🚧
Bestimmte Arbeiten im Gleisbereich erfordern erhöhte Aufmerksamkeit und spezielle Schutzmaßnahmen.
6.1. Definition "Besondere Arbeiten"
- ✅ Schneid- und Schweißarbeiten.
- ✅ Schneeräumarbeiten.
- ✅ Einsatz von Maschinen und Geräten, bei denen:
- Die Sicht- und Hörverbindung beeinträchtigt ist.
- Kein Sicherheitsraum zwischen Baumaschine und Nachbargleis besteht.
- Gefahren von bewegten Maschinenteilen ausgehen.
6.2. Schutzmaßnahmen vor Fahrten im gesperrten Gleis oder im Baugleis
- ✅ Die BzS legt fest:
- Warnung durch Automatisiertes Warnsystem (AWS) oder Sicherungsposten (Sipo) ODER
- Fahrten mit maximal 20 km/h und im gesperrten Gleis der freien Strecke auf Sicht.
- ⚠️ Wichtiger Hinweis: Im Arbeitsgleis (AG) darf nicht mit AWS oder Sipo gewarnt werden, wenn im Nachbargleis (NG) bereits auf diese Weise gewarnt wird.
- ✅ Eingegleiste Zweiwegebagger (ZWB) dürfen maximal 5 km/h rückwärtsfahren.
7. Gleissperrungen: Arten, Beantragung und Kommunikation 🛑
Gleissperrungen sind kritische Prozesse, die präzise Kommunikation erfordern.
7.1. Wer darf Gleissperrungen beantragen?
- ✅ Die in der Betra (Betriebs- und Bauanweisung) unter 4.2 benannten Personen.
- ✅ Die in Ril. 132.0118 genannten Berechtigten.
- ✅ Die Notfallleitstelle.
- ✅ Der Notfallmanager bei Unregelmäßigkeiten oder Betriebsunfällen.
7.2. Arten von Gleissperrungen
| Art der Sperrung | Sperrung von… bis… | Meldung nach Wegfall | Wer beantragt Sperrung? | | :-------------------- | :----------------------------------------------- | :------------------------------------------------- | :----------------------------- | | UV-Sperrung | Bahnhof / Freie Strecke (Signal / Gz / Weichen / Markante Punkte) | Anlass für die UV-Sperrung weggefallen | UV-Berechtigter oder TB | | Technische Sperrung | Signal / Gz / Weichen / Markante Punkte | Gleis ist befahrbar | Nur TB | | Baugleis | Gemäß Betra | Gleis ist frei und befahrbar | Nur Personen unter 4.2 in Betra |
- 💡 Hinweis zu Gleisen der freien Strecke: Wenn im Durchrutschweg eines Signals gearbeitet wird, muss die davorliegende Blockstrecke mitgesperrt werden.
7.3. Kommunikationsprotokolle bei Sperrungen
Die Kommunikation bei Sperrungen ist standardisiert, um Missverständnisse zu vermeiden und die Sicherheit zu gewährleisten. Jede Meldung wird vom Empfänger wiederholt.
7.3.1. Sperren von Gleisen der freien Strecke
- Fdl der zuständigen Zugmeldestelle (Zmst) meldet dem Fdl der benachbarten Zmst: "Gleis von…nach…. Gesperrt. Sicherungsmaßnahmen durchgeführt."
- Fdl der benachbarten Zmst: Führt die Sicherungsmaßnahmen durch und wiederholt die Meldung. ✅ Danach gilt das Gleis als gesperrt.
7.3.2. Aufhebung von Gleissperrungen der freien Strecke
- Zuständiger Fdl meldet dem benachbarten Fdl: "Sperrung des Gleises von…nach… aufgehoben. Sicherungsmaßnahmen nicht mehr erforderlich."
- Fdl der benachbarten Zmst: Wiederholt die Meldung.
7.3.3. Sperren von Gleisen im Bahnhof (Bf) oder Abzweig (Abzw)
- Fdl: Nachdem der Fdl die Sicherungsmaßnahmen getroffen hat, sperrt er das Gleis mit den Worten: "Gleis Nr… von … bis… gesperrt. Sicherungsmaßnahmen durchgeführt."
- Beteiligter: Wiederholt die Meldung.
7.3.4. Erklärung eines Baugleises
- Fdl der nach Betra zuständigen Betriebsstelle: Erklärt mit dem Fdl einer anderen Betriebsstelle das gesperrte Gleis zum Baugleis, nachdem die in der Betra genannte Person zugestimmt hat.
- Wortlaut: "Gleis …. Ist Baugleis."
7.3.5. Ausschluss von Gegengleisfahrten – Gesprächsprotokoll
- Technischer Berechtigter (TB): "Hier ist XX. Ich beantrage die Fahrten entgegen der gewöhnlichen Fahrtrichtung von Astadt nach Bstadt auszuschließen."
- Fdl: "Ich wiederhole: Sie beantragen die Fahrten entgegen der gewöhnlichen Fahrtrichtung von Astadt nach Bstadt auszuschließen."
- TB: (Achtet auf genaue Wiederholung mit richtigen Gleisangaben) "Richtig."
- Fdl: (Führt notwendige Handlungen durch) "Fahrten entgegen der gewöhnlichen Fahrtrichtung von Astadt nach Bstadt sind ausgeschlossen."
- TB: "Ich wiederhole Fahrten entgegen der gewöhnlichen Fahrtrichtung von Astadt nach Bstadt sind ausgeschlossen."
- Fdl: "Richtig."
7.3.6. UV-Sperrung – Gesprächsprotokoll
- 1️⃣ Sperrung:
- TB: "Hier ist der UV-Berechtigte XX. Ich beantrage die Sperrung des Gleises 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach aus UV-Gründen."
- Fdl: "Du beantragst die Sperrung des Gleises 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach aus UV-Gründen."
- TB: "Richtig."
- Fdl: "Das Gleis 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach ist mit 00:00 Uhr gesperrt. Sicherungsmaßnahmen durchgeführt."
- TB: "Ich wiederhole: Das Gleis 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach ist mit 00:00 Uhr gesperrt. Sicherungsmaßnahmen durchgeführt."
- Fdl: "Richtig."
- 2️⃣ Aufhebung:
- TB: "Der Anlass für die Gleissperrung 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach ist weggefallen. Du kannst die Sperrung aufheben."
- Fdl: "Ich wiederhole, der Anlass für die Gleissperrung 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach ist weggefallen."
- TB: "Richtig."
- Fdl: "Dann ist die Sperrung des Gleises 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bf Biberach aufgehoben."
- TB: "Ich wiederhole die Sperrung des Gleises 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bf Biberach ist aufgehoben."
- Fdl: "Richtig."
7.3.7. Technische Sperrung – Gesprächsprotokoll
- 1️⃣ Sperren:
- TB: "Ich beantrage die Sperrung des Gleises 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach gem. Betra Nr. F21 982737."
- Fdl: "Du beantragst die Sperrung des Gleises 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach gem. Betra Nr. F21 982737."
- TB: "Richtig."
- Fdl: "Das Gleis 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach ist gesperrt. Sicherungsmaßnahmen durchgeführt."
- TB: "Ich wiederhole: Das Gleis 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach ist gesperrt. Sicherungsmaßnahmen durchgeführt."
- Fdl: "Richtig."
- 2️⃣ Aufheben:
- TB: "Das Gleis 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach ist befahrbar, du kannst die Sperrung aufheben."
- Fdl: "Ich wiederhole, das Gleis 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach ist befahrbar."
- TB: "Richtig."
- Fdl: "Dann ist mit 00:00 Uhr die Sperrung des Gleises 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach aufgehoben."
- TB: "Ich wiederhole mit 00:00 Uhr ist die Sperrung des Gleises 103 von Ausfahrsignal P103 bis Ausfahrsignal N103 im Bahnhof Biberach aufgehoben."
- Fdl: "Richtig."
Hinweis: Zu den Arbeits- und Pausenzeiten (Punkt 20 der Quelle) sind in den vorliegenden Materialien keine spezifischen Informationen enthalten.








